Media Scouting im Profi-Volleyball

Wer hat die meisten Aufschlagspunkte erzielt? Wie war die Blockquote der Mittelblocker? Welche Spielerin hat eigentlich die meisten Angriffspunkte erzielt? Wenige Minuten nach dem Abpfiff einer Volleyball-Bundesligapartie findet sich auf der Website der Bundesliga der Matchreport, der all diese Fragen detailliert beantwortet. Ein Beispiel eines Matchreports kann hier abgerufen werden.

Doch wie ist es möglich solche Detailinformationen in so kurzer Zeit zur Verfügung zu stellen? Die Kurzantwort auf diese Frage ist: durch Echtzeitprotokollierung der ausgewiesenen Spielelemente mit der Software DataVolley Media. Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in die Arbeit des Statistikers, der für die Erstellung des Matchreports verantwortlich ist.

Vor Spielbeginn: die Vorbereitung

Zu Beginn gilt es die wichtigsten Informationen über das anstehende Spiel einzuholen. Das bedeutet zunächst, dass die offiziellen Spielinformationen (Schiedsgericht, Ort, Uhrzeit, Mannschaftslisten) von der Volleyball Bundesliga in DataVolley Media geladen werden. Im Anschluss beginnt der Rundlauf: Mannschaftsverantwortliche beider Mannschaften müssen aufgesucht werden und es muss abgefragt werden, welche Spielerinnen gegebenenfalls nicht auf dem Matchreport auftauchen dürfen, da sie nicht einsatzbereit sind. Schließlich muss sichergestellt werden, dass die Starting Six rechtzeitig zum Beginn jeden Satzes auf den  Scouting-Tisch eintrudelt und rechtzeitig in das Programm eingegeben ist. So professionell das klingen mag,  meistens geht es lediglich um ein Bild der Aufstellungszettel, welches per WhatsApp wenige Sekunden vor Satzbeginn auf dem Handy aufleuchtet.

Während des Spiels: Aufschlag und Annahme

Die eigentliche Arbeit beginnt mit dem Moment des Anpfiffs. Dann geht es darum alle relevanten Faktoren zu beobachten und parallel mit dem richtigen Code einzugeben. Ein Beispiel zur Veranschaulichung des Beginns einer Rally:

*10S.a05R#

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Im Einzelnen kann das übersetzt werden als “Spielerin Nummer 10 der Heimmannschaft (*) schlägt auf (S, engl. serve). Spielerin Nummer 5 der  Auswärtsmannschaft (a, engl. away) nimmt (R, engl. reception) perfekt (#) an”. Bei diesem Teil der Rally kommt es besonders auf die Bewertung der Annahme, was gleichzeitig auch die Bewertung des Aufschlags darstellt, an. Dabei werden 6 Abstufungen von perfekt bis schlecht unterschieden:

  1. Ball wird auf die Zuspielerin gespielt, alle Angriffsmöglichkeiten können gespielt werden (#, perfekte Annahme).
  2. Ball wird im 3m-Raum am Netz gespielt (+, gute Annahme).
  3. Ball wird in den 3m-Raum, jedoch in der hinteren Hälfte gespielt oder an den Rändern des 3m-Raums (!).
  4. Ball wird hinter der 3m-Linie oder außerhalb des Feldes gespielt (-, schlechte Annahme)
  5. Ball kann nicht gespielt werden, Annahmefehler mit Punktfolge (=)

Wird der Ball erst gar nicht über das Netz geschlagen oder aber ins Aus geschlagen, dann wird der Aufschlag direkt mit “=” bewertet und die Auswärtsmannschaft bekommt den Punkt dazugebucht:

*03S=

Wähend des Spiels: Angriff und Block

Ist die Annahme (einigermaßen) erfolgreich gewesen, dann gilt es die Angreifer nicht aus dem Blick zu verlieren. Jeder Angriff wird protokolliert. Ist der Angriff erfolgreich, dann wird das mit einem “#” bewertet:

a15A#

Dabei steht das “a” wieder für das Auswärtsteam und das “A” für Angriff (engl. attack). Ist der Angriff ins Netz gegangen oder aber ins Aus, dann wird das ebenfalls erfasst (diesmal für die Heimmannschaft, d.h. *):

*16A=

Eine besondere Situation entsteht, wenn es zum erfolgreichen Block kommt. Dann muss weiter kodiert werden. Das sieht dann beispiesweise so aus:

a15A.11B#

Das bedeutet nichts anderes als: “Spielerin 11 der Heimmannschaft blockt den Angriff von Spielerin 15 der Auswärtsmannschaft erfolgreich”.

Während des Spiels: Auszeiten und Spielerinnenwechsel

Genauso wie einzelne Spielaktionen, müssen Auszeiten beider Mannschaften protokolliert werden (aT bzw. *T). Spielerinnenwechsel werden nach Heim- (*) oder Auswärtsmannschaft (a) ebenso erfasst:

*16.02

heißt beispielsweise, dass bei der Heimmannschaft die Spielerin Nummer 16 durch die Spielerin Nummer 2 ausgewechselt wird.

Nach dem Spiel: Matchreport-Check und Upload

Ist das Spiel beendet, wird aus den einzelnen Eingaben der Matchreport generiert. Dieser enthält alle (statistischen) Details über Aufschlags-, Annahme-, Angriffs- und Blockaktionen jeder Spielerin. Vor dem Upload wird der Report auf Inkonsistenzen geprüft. So muss unteranderem geprüft werden, ob die Anzahl der erfolgreichen Aufschläge einer Mannschaft, die Anzahl der Annahmen der anderen Mannschaft entspricht – ist dem nicht so, muss man auf Fehlersuche in den einzelnen Code-Eingaben gehen.

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1 Response to Media Scouting im Profi-Volleyball

  1. Birgit Schomberg says:

    Hallo Victor,
    eine tolle Seite. Aber benutze doch bitte den Genitiv anstatt “während dem Spiel” zu schreiben.
    Liebe Grüße
    Birgit

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